Goldene Regeln für eine gute Unterrichtsstunde - nicht nur für Anfänger

Didaktische Reduktion:

Reduziere den Stoff auf das Wesentliche! Formuliere ein sinnvolles Grobziel, frage Dich dabei immer, was der Schüler am Stoff der jeweiligen Stunde fürs Leben lernen soll

Zielführendes Arbeiten:

Wenn Du Dein Großziel festgelegt hast, versuche den Stundenverlauf so zu konzipieren, dass Du dieses Lernziel ohne Umwege zusammen mit den Schülern erreichen kannst. Überfrachte hierbei die Stunde nicht mit Fachwissen oder einer unreflektierten Materialschlacht, sondern setze Deine methodischen Mittel sparsam, aber gezielt ein.
Vergiss nicht, der Höhepunkt der Stunde sollte im zweiten Drittel liegen - außerdem, ein Zeitpuffer für das Stundenende ist allemal besser als mit dem Stoff nicht durchgekommen zu sein (man kann ja ein fakultatives Lernziel in der "Schultasche" bereithalten...)

Methodenvielfalt:

Für das Gelingen einer Unterrichtsstunde ist es äußerst wichtig, die richtige Unterrichtsmethode für den richtigen Stoffbereich zu finden. Methodenwechsel ist hierbei das Geheimnis, mit dem man die Motivation der Schüler steigern kann, nicht willkürlicher und unreflektierter Einsatz "modischer" handlungsorientierter Unterrichtsmethoden. Die Wahl der Methode muss immer vom Ziel der jeweiligen Unterrichtsstunde abhängig gemacht werden; um die Schüler nicht mit Monotonie zu langweilen, sollte mindestens einmal pro Stunde die Unterrichtsmethode gewechselt werden.
Gruppen-, Frei- und Projektarbeit benötigen eine außerordentlich gewissenhafte Vorbereitung der Lehrkraft, damit sie zum gewünschten Erfolg führen - probiere Dich ruhig aus!
Wesentliche Methoden des Deutschunterrichts sind: Lehrervortrag, Lehrer-Schüler-Gespräch, Unterrichtsgespräch, Einzelarbeit, Partnerarbeit, Gruppenarbeit, Diskussion, Lernzirkel, Freiarbeit, Referat, Szenisches Darstellen, Projektarbeit

Motivierender Einstieg:

Auch wenn es viel Zeit und Mühe kostet, es lohnt sich - ein gut gewählter Einstieg wirkt meistens Wunder und verwandelt einen chaotischen, lärmenden Schülerhaufen in eine konzentrierte Lerngruppe (zumindest steigt der Großteil der Klasse bei einem guten Einstieg in die Stunde ein und ein relativ produktives gemeinsames Arbeiten ist möglich)!
Ein Einstieg kann situativ, repräsentativ, provozierend oder exemplarisch gewählt werden, sollte jedoch nicht länger als drei Minuten ausgeweitet werden!

Gezieltes Fragen:

Schreibe Dir als Anfänger ruhig zentrale Fragestellungen Deiner Stunde auf! Achte hierbei immer auf eine altersgemäße Sprache - Du kannst mit 7.Klässlern nicht wie mit Studenten sprechen!
Vermeide unklare, komplizierte oder gar unvollständige Fragestellungen; auch die typischen Doppelt- und Dreifrachfragen, mit denen Anfänger gerne aus Verlegenheit heraus die Schüler überrumpeln, sollten tunlichst vermieden werden - notfalls das eigene Sprechtempo drosseln. Achte außerdem darauf, dass die Schüler Deine Fragen nicht nur mit "ja/nein" oder gelernten Schlagworten beantworten, sondern halte sie an, in vollständigen Sätzen zu antworten - manche lernen`s sonst nie!

Gut strukturiertes Tafelbild:

Das Tafelbild hat den Zweck, dem Schüler eine Gedächtnisstütze für das Lernen und Wiederholen des Stoffs zu bieten - er muss also rasch den Verlauf der Stunde nachvollziehen können. Dafür ist es unbedingt notwendig ein klar strukturiertes Tafelbild zu entwerfen. Tabu sind Fehler jeglicher Art, schlampige Schrift oder Abkürzungen etc. - der Lehrer hat immer ein Vorbild zu sein, oder anders gesagt: Was man dem Schüler nicht durchgehen lassen darf/ kann/ will, sollte man als Lehrkraft auch nicht machen!

Last but not least...

Wie kann keine (Deutsch-)Stunde mehr in die Hosen gehen? Wenn man bei der Vorbereitung folgende Fragen gewissenhaft bearbeitet! Unsere Seminarlehrerin hat die Wirksamkeit dieser Rezeptur langjährigen Tests unterzogen und garantiert ihre Wirksamkeit...

1.  Weshalb beschäftige ich mich mit diesem Thema?
2. In welchen Gesamtzusammenhang bringe ich dieses Thema?
3. Kann ich durch die Behandlung dieses Themas ein Beispiel geben?
4. Ist der Inhalt Veränderungen unterworfen, die durch äußere Umstände beeinflusst werden?
5. Welche Grundkenntnisse sind zur Erfassung des Gesamtzusammenhangs nötig?
6. In welche sinnvollen Einzelschritte lässt sich das Thema gliedern?
7. Sind in dem Thema Bereiche enthalten, die eine besondere Gewichtung oder Erörterung verlangen?
8. Ist das Thema für die Altersstufe geeignet?
9. Wie bereite ich ein abstraktes Thema altersgerecht auf?
10. An welchen Einzelpunkten muss eine Konkretisierung bzw. Veranschaulichung erfolgen?
11. Welches Ziel- bzw. Problembewusstsein muss der Schüler aus der Stunde unbedingt mitnehmen?

 

Und das Wichtigste zum Schluss: Niemals entmutigen lassen!
Lehrjahre sind keine Herrnjahre, wie meine Oma immer sagt...

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