Allgemeine Zielsetzungen des Geschichtsunterrichts

Die folgenden Ziele sollte sich jeder Geschichtslehrer bei der Konzeption seines Unterrichts immer vor Augen führen, denn nur so kann der Geschichtsunterricht einen entscheidenden Teil zur Ausbildung eines mündigen Individuums beitragen (im Sinne der vielbeschworenen ästhetischen Bildung als aktuelle Kampfansage gegen die schlechten PISA-Ergebnisse der deutschen Schüler)!

1. Einsicht in die Geschichtlichkeit des Menschen: die Schüler sollen erkennen, daß der Wandel in der Zeit eine Grundbestimmung des menschlichen Daseins ist und daß die Geschichte in die Gegenwart hineinwirkt
(Schlagwort "Geschichtsbewußtsein" - siehe auch Punkt 10)

2. Kenntnis der zeitlichen und räumichen Großgliederung der Geschichte der Menschen

3. Kenntnis der Leitlinien der deutschen Geschichte
(Hierbei das Zauberwort der "didaktischen Reduktion" beachten - der Lehrer hat die didaktische Aufgabe, "Stoffhuberei" zu vermeiden und sinnvolle thematische Schwerpunkte zu setzen, um den historischen Ablauf zu strukturieren!)

4. Kenntnis repräsentativer Daten und Fakten der bayerischen Landesgeschichte
(Bayerische Lehrer sind dazu allein schon durch die Bayerische Verfassung verpflichtet...)

5. Bereitschaft zur Erhaltung und sinnvollen Gestaltung der historisch gewachsenen Umwelt, insbesondere der Denkmäler
(Ganz aktuell - man werfe nur einen kurzen Blick in das Grundkurs Geschichte - Abitur 2004!)

6. Einsicht in die Tatsache, daß die deutsche Geschichte in die europäische Geschichte integriert ist: die Schüler sollen die Völker und Staaten Europas als geschichtliche Völkerfamilie begreifen.
(Allein der Blick auf die geringe Beteiligung an der Europawahl 2004 zeigt die Dringlichkeit diese Bildungs- und Erziehungsauftrags - hier sind nicht nur die Geschichtslehrer gefordert!)

7. Kenntnis historisch-politischer Grundbegriffe
(Schwieriges Feld - ohne Grundwissen gehts nicht, zu viel sollte es auch nicht sein..., am besten man orientiert sich am gültigen Lehrplan!)

8. Fähigkeit, fachspezifische Informationsquellen (schriftliche Quellen, Bilder, Überreste, Darstellungen) mit Hilfe einfacher Arbeitstechniken zu erschließen.

9. Freude am Erleben der Geschichte
(Schöner Anspruch, aber die Wirklichkeit... - oder: Kann Schule wirklich Freude machen? Vielleicht... ;-) )

10. Bereitschaft, im Geschichtsunterricht erworbene Kenntnisse, Fähigkeiten und Werthaltungen anzuwenden bzw. zu verwirklichen.
(Ob dieses Ziel zu erreichen ist, erscheint nach Bodo von Borries` großangelegten quantitativen empirischen Untersuchungen in den 1990er Jahren zum Geschichtsbewußtsein Jugendlicher fraglich, zu oft konnte er nachweisen, daß Schüler in ihrer (historischen) Urteilsfähigkeit häufig unreflektiert gesellschaftlichen Konventionen folgen, ohne ein tatsächlich gefestigtes Geschichtsbewußtsein zu besitzen - aber man darf die Hoffnung nie aufgeben, und die Wertebildung in keinem Fall irgendwelchen Rattenfängern überlassen!)

 

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